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Handball:
(TV 1905 Mainzlar e.V.)

Jürgen Gerlach hat gegen den TuS Metzingen das Sagen

GIESSEN (am). Es muss vielen Beteiligten vorgekommen sein, wie am Tag nach dem Polterabend: Ein etwas benommener Kopf und viele Scherben. Einen Tag nach der Entlassung von Iljo Duketis beim Frauenhandball-Zweitligisten TV Mainzlar und der Verpflichtung des neuen Übungsleiters Jürgen Gerlach versuchten alle Verantwortlichen die schlechten oder gemischten Gefühle zu verdrängen und den Blick nach vorne zu richten. Denn die soll den Klassenerhalt der Staufenbergerinnen bringen, nachdem dieser nach zwölf Spieltagen mit 6:18 Punkten und Tabellenplatz zwölf gefährdet ist. Schon am Samstag um 19.30 Uhr im Heimspiel gegen den TuS Metzingen soll das Unternehmen Gerlach erste Erfolge bringen.
Mit dem personellen Wechsel wurden die Gerüchte bestätigt, die schon seit Wochen von einer Ablösung des 53-jährigen Kroaten auf dem Trainerstuhl des TVM wissen wollten. In der Kritik hatte der (bei den Männer des TV Hüttenberg erfolgreiche) offensive Tempohandball des personell völlig neu formierten Mainzlarer Teams gestanden. "Es rumorte schon eine ganze Weile", musste auch Bundesliga-Obfrau Kerstin Grölz eingestehen, obwohl der Trainer immer wieder Rückendeckung erhalten hatte.
"Es ist nie um meine Person gegangen", bezieht sich Duketis auch auf das letzte Gespräch mit Verantwortlichen am 3. Januar. "Ich hatte immer Rückendeckung." Für die Spielerinnen sei die Entscheidung ebenfalls völlig überraschend gekommen, schildert der ausgeschiedene Trainer die Reaktion der Mannschaft bei seinem Abschied. Andererseits hält er die Entscheidung der Verantwortlichen aus sportlicher und wirtschaftlicher Sicht für "völlig legitim". Schließlich ist Duketis durch seine fast tägliche Anfahrt aus seinem Wohnort Vellmar einer der teuersten Trainer des TV Mainzlar in der Vereinsgeschichte.
Allerdings merkt der 53-Jährige auch an, dass unter diesen Umständen eine Trennung vor Weihnachten sinnvoller gewesen sei. Das sei auch intern im Gespräch gewesen, berichtet Staufenbergs Bürgermeister Horst Münch als Geschäftsführer der Staufenberg-Mainzlarer-Handball GmbH. Doch war zu diesem Zeitpunkt das Präsidium des Vereins im Urlaub. So tagte der Arbeitskreis Bundesligahandball erst an diesem Montag über vier Stunden und legte mit nahezu einstimmigem Votum dem fünfköpfigen Präsidium des TV mit Erich Peter Hoepfner an der Spitze den Personalvorschlag vor, dem dieses dann auch zustimmte. Mit ausschlaggeben dürfte die schwache Vorstellung der Mannschaft beim Intersport Begro-Turnier am Sonntag in Gießen gewesen sein, als das Team im Endspiel mit 16:35 klar gegen den Erstligisten TSG Ketsch verlor.
Genauso stimmten die Gremien dem Vorschlag der Verpflichtung von Jürgen Gerlach als neuem Trainer zu. "Er ist der beste Trainer, der zur Zeit hier im Raum zu haben ist", argumentiert Horst Münch, und der Klassenerhalt sei nur mit einem erfahrenen Trainer zu schaffen. Dass sich Gerlach damit in die "Höhle des Löwen" (so AK-Mitglied Dieter Mackenrodt) begibt, zu dem Verein, für den er als Coach des Lokalrivalen TV Lützellinden lange das Feindbild schlechthin war, interessierte die Verantwortlichen nur am Rande. "Man kann nicht immer an alten Zöpfen festhalten", wischt Münch ähnliche Bedenken beiseite.
Für "Doc" Gerlach standen zwei Argumente für den Wechsel zum langjährigen Rivalen im Vordergrund: "Einmal will ich, dass der Frauenhandball in der Region erhalten bleibt", und dafür müsse die zweite Liga gehalten werden. Zum anderen müsse der Jugend eine "attraktive Perspektive" geboten werden, spielt er auf seine A-Juniorinnen beim TV Lützellinden an, die souverän die Regionalliga-Tabelle anführen, im eigenen Verein aber keine höherklassige Mannschaft mehr vorfinden.
Der neue Trainer sagt aber auch beim Blick auf seine neue Mannschaft: "Wir brauchen noch Spielerinnen. Der Kader ist sehr, sehr klein." Ob das allerdings die routinierte und bereits gehandelte Ex-Lützellindenerin Miroslava Ritskiavitchius ist, muss abgewartet werden. "Das wiederspricht eigentlich unserer Philosophie mit jungen Spielerinnen zu arbeiten", sagt Kerstin Grölz. "Eine Neuverpflichtung muss im Rahmen bleiben", schränkt auch Horst Münch ein.


Autor: sapl
Artikel vom 12.01.2006, 13:38 Uhr

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